Ein Konflikt zwischen mir und einem anderen Menschen entsteht häufig dadurch, dass wir beide dieselben unbewussten Muster in uns tragen. Diese Muster sind Ego-Muster.
Das Ego nutzt sie, um sich zu nähren. Es zeigt sich dann in einem von uns und bringt ihn dazu, etwas zu sagen oder zu tun, das den anderen triggert.
Getriggert zu sein bedeutet: Etwas in mir wird berührt und ich reagiere – zum Beispiel mit Wut, Verletzung oder Rechtfertigung.
Aktion und Reaktion tragen dieselbe Energie. Beide entspringen dem Ego. Es gibt nicht dein Ego und mein Ego – es ist dasselbe Ego, das sich durch uns ausdrückt.
In meinem Verständnis hat das Ego nur ein Ziel: Es will trennen. Es will, dass wir gegeneinander kämpfen, statt einander wirklich zu begegnen.
Und das gelingt ihm so lange, bis mindestens einer von uns erkennt, welches Spiel gerade gespielt wird.
In dem Moment, in dem ich wahrnehme: “Moment mal – das bin nicht ich. Das Ego reagiert gerade in mir.”, entsteht Abstand.
Ich muss der Reaktion nicht mehr folgen.
Ich steige aus dem Spiel aus.
Und genau das ist der Moment, in dem das Ego seine Nahrung verliert. Denn das Ego lebt von unserer Identifikation mit seinen Reaktionen.
Eine Teilnehmerin meines Workshops hatte ständig Konflikte mit einem Kollegen. Die Situation war so belastend, dass sie bereits darüber nachdachte zu kündigen.
Nachdem wir das Prinzip des Nicht-Reagierens geübt hatten, passierte am nächsten Tag etwas Erstaunliches.
Als ihr Kollege sie erneut angriff, spürte sie, wie die Wut in ihr aufstieg.
Doch diesmal erkannte sie:
“Das bin nicht ich. Das Ego versucht gerade, uns beide in sein Spiel hineinzuziehen.”
In diesem Moment konnte sie ihre Reaktion einfach loslassen – als würde sie eine heiße Kartoffel fallen lassen.
Sie reagierte nicht.
Damit war das Spiel beendet.
Das Ego fand keinen Anknüpfungspunkt mehr.
Schon am nächsten Tag gingen die beiden gemeinsam in die Kantine essen. Der Konflikt war verschwunden.
Manchmal genügt es, wenn nur ein Mensch aufhört zu reagieren.
Dann verliert das Ego seine Macht.